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Leseprobe für das Buch Bilder * Berge * Bürgermeister
Göppinger und andere Geschichten
von Dr. Jürgen Christ:

Vorwort

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, sagte einst Karl Valentin. Das trifft irgendwie auch auf die Schreibkunst zu, aber ich will hier keineswegs künstlerisch oder literarisch tätig werden, sondern nur ein paar Geschichten aus meinem Leben erzählen, und das macht ebenfalls Arbeit, aber auch Spaß! Warum schreibt man überhaupt, wenn es nicht der Beruf verlangt, und der liegt in meinem Fall ja weit zurück. Es sind die verschiedensten Antworten in Umlauf, vom Zwang zum Schreiben, vom Schreiben als Problembewältigung und vom Glück des Schreibens. Bei meinen bisherigen Aufschrieben, die zu einem Buch geworden sind, haben – je nach Thema – alle diese Gründe schon eine Rolle gespielt.
Wenn ich jetzt wieder einmal zu Papier und Schreibstift greife, so vor allem deshalb, weil es mir Freude macht, einige alte Geschichten noch einmal Revue passieren zu lassen und ihnen eine Form zu geben, schöner und hässlicher, vergnüglicher und deprimierender und manchmal hoffentlich auch spannender Geschichten. Aber ich wünsche mir natürlich, dass auch andere Freude daran haben oder sie wenigstens lesenswert finden, zum Beispiel Leute, die an der jüngeren Göppinger Stadtgeschichte interessiert sind, oder hiesige Bergsteiger oder Kunstfreunde.
Der Theologe und Philosoph Sören Kierkegaard hat einmal sinngemäß gesagt, man lebe in die Zukunft, und man verstehe aus der Vergangenheit. Im Rückblick habe ich bei der Aufarbeitung der Begebenheiten tatsächlich immer wieder Dinge gesehen und Zusammenhänge entdeckt, die mir als damals aktiv Handelndem verborgen geblieben oder nicht bewusst gewesen sind. In den wichtigen Fragen hätte ich mich aber meistens wieder so entschieden wie geschehen. Einige der beschriebenen Ereignisse haben sich vor so langer Zeit zugetragen, dass die Zahl der Zeitgenossen, darunter auch damaliger Göppinger Stadträte, nicht mehr besonders groß ist. Mit Ausnahme des Baubürgermeisters Reinhard Schuckenböhmer sind auch die Kollegen von damals entweder gestorben (Oberbürgermeister Dr. Herbert König) oder weggezogen (die Oberbürgermeister Hans Haller und Reinhard Frank) oder vorzeitig aus dem Dienst geschieden (Finanzbürgermeister Uwe Bähr). Unter ihnen mag mancher manche Begebenheit anders in Erinnerung haben und von meiner Sicht der Vorgänge überrascht sein. Wichtiger ist, dass in einigen Bereichen der Stadt große Fortschritte zum Nutzen der Bürger gemacht worden sind und dass zum Beispiel mit der Städtischen Kunsthalle oder der Stadtbibliothek im Adelberger Kornhaus kulturelle „Leuchttürme“, wie man heute gerne sagt, geschaffen wurden. Auch kann hier noch einmal nachvollzogen werden, unter welch schwierigen Umständen – gerade auch finanzieller Art – liebgewonnene und heute als Selbstverständlichkeit betrachtete öffentliche Einrichtungen und Angebote entstanden oder auf einen zeitgemäßen Standard gebracht worden sind.
Für die meisten Menschen waren und sind Familie und Beruf das Wichtigste im Leben, und ich schließe mich da nicht aus. Aber auch die Natur, deren Teil wir Menschen schließlich sind, zu begreifen und möglichst aktiv zu erleben, gehörte seit den Jugendjahren zu meinen Grundbedürfnissen. Ähnliches gilt bis heute für die intensive Beschäftigung mit der Kunst, besonders auch mit den so genannten schönen Künsten, deren Betreuung, soweit für Göppingen relevant, ebenfalls zu meinen Aufgaben als „Kulturbürgermeister“ gehörte. Dem entsprechend dürfen hier Geschichten aus beiden Gebieten nicht fehlen. Sozialisation nennt man den Vorgang, auf welche Weise und von welchen Menschen und Kräften ein junger Mensch erzogen und auf das Leben vorbereitet wird. Die Kapitel „Über Familie und Vorfahren“ sowie „Frühe Prägungen“ zeigen in einigen Skizzen Menschen, Ideen und Ereignisse, die mich beeinflusst und meinen inneren Kompass mitbestimmt haben.
Seit der mit dem Assessorexamen im Jahr 1965 erworbenen „Befähigung zum Richteramt“ habe ich zuweilen – besonders im beruflichen Zusammenhang – einen Sprach- und Schreibstil gepflegt, in dem ein Wort klar wie eine Zahl und ein Satz deutlich wie eine Tatsachenfeststellung sein sollte. Ambivalenz und Emotion sollten möglichst außen vor bleiben. Aber schon meine kommunalpolitische Tätigkeit verlangte eine Abkehr von solchen Gewohnheiten, kam es doch darauf an, von allen verstanden zu werden und mindestens die Gemeinderäte zu überzeugen. Wenn ich nun zwei Jahrzehnte später persönliche Erinnerungen und Eindrücke wiedergebe, sind sie natürlich subjektiv und zuweilen von Emotionen begleitet. Fake stories – das versichere ich hier – sind jedenfalls keine dabei.