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Leseprobe für das Buch Diagnose Asperger - es geht weiter von Stephanie Fischer:

Vorwort

Sie erinnern sich an Tim? Den kleinen Jungen aus dem Rheinland?
Tim ist Autist.
Nun ist weitläufig die Meinung verbreitet, Autisten seien ruhige, mitunter stumme, in sich gekehrte Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben und keinerlei Kontakte zur Außenwelt herstellen können.
Auch ich hatte vor der Geburt meines Sohnes dieses Bild vom Autismus.
Mittlerweile weiß ich, dass Autismus viele Facetten hat und nicht immer dem Klischee vom introvertierten Sonderling entsprechen muss.
'Sonderlinge' sind diese Menschen allemal. Aber vielleicht denken sie dasselbe über uns 'Normalos'.
Was auf meinen Sohn nicht zutrifft, ist der Begriff 'introvertiert'. Oder gar 'ruhig'. Ruhig ist Tim wirklich nicht. Im Gegenteil. Er ist hyperaktiv. Er redet unglaublich viel, ist sehr laut und impulsiv.

Tim hat das „Asperger Syndrom“, eine vergleichsweise 'leichte' Form von Autismus.
'Beim Asperger Syndrom handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich unter anderem im Sozialverhalten sowie im Bereich der Wahrnehmung und Kommunikation bemerkbar macht. Es wird auch als 'seelische Behinderung' definiert.'
Die autistische Bandbreite (autistisches Spektrum) reicht von geistig behindert, völlig verschlossen, stumm über impulsiv, hyperaktiv, 'redefreudig' bis hin zu überdurchschnittlicher Begabung in bestimmten Bereichen oder Hochbegabung.
Zu den Autismus-Spektrum-Störungen gehören unter anderem auch noch der Frühkindliche Autismus und der Atypische Autismus.

Asperger-Autisten weisen in der Regel eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz auf (teilweise auch Hochbegabung), verfügen über ein gutes Sprachvermögen, und man merkt ihnen ihre Behinderung auf den ersten Blick meist nicht an.

Die autismusspezifischen Symptome sind vielfältig, von Mensch zu Mensch verschieden und unterschiedlich stark ausgeprägt.
Autisten fällt es schwer, wichtige Informationen von unwichtigen zu unterscheiden. Ihnen fehlt ein Filter im Gehirn, der die unwichtigen Eindrücke aus der Umwelt, die tagtäglich auf uns einwirken, herausfiltert.
Ihr Gehirn ist anders 'programmiert'.

Darüber hinaus haben viele Autisten Schwierigkeiten damit, Blickkontakt zu ihren Mitmenschen aufzubauen, beziehungsweise anderen Menschen in die Augen zu schauen. Auch Körperkontakt ist ihnen häufig unangenehm.
Viele Autisten haben eingeschränkte Interessen und sind motorisch ungeschickt. Sie haben große Probleme damit, mit anderen Menschen – angemessen – in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Vor allem auch die Tatsache, dass Autisten eine komplett andere Wahrnehmung haben als 'normale' Menschen, macht ein entspanntes Miteinander oft schwierig.
Autistischen Menschen fällt es schwer, eine Situation als Ganzes zu erfassen; sie orientieren sich an Details, bleiben mit ihrer Aufmerksamkeit an Einzelheiten „hängen“.
Häufig fehlt es autistischen Menschen auch an Einfühlungsvermögen und/oder sie haben Schwierigkeiten damit, Mitgefühl oder überhaupt Gefühle auszudrücken.

Die mit dem Autismus einhergehenden Beeinträchtigungen ziehen sich durch alle Lebensbereiche.
Daher gestaltet sich die Beziehung zur Umwelt und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben als sehr problematisch.
'Viele autistische Menschen fühlen sich wie auf einem fremden Planeten. Sie können Gestik und Mimik der Mitmenschen oft nicht deuten und handeln oder reagieren unangemessen, weil sie soziale Verhaltensregeln nicht beherrschen oder verstehen. Bestimmte soziale Verhaltensweisen müssen oft erst mühsam antrainiert und geübt werden.'

Bei Tim äußert sich der Autismus vor allem in der mangelnden Fähigkeit, angemessen mit Enttäuschungen und Grenzsetzung umzugehen (konkret: sich nicht wie ein Kind im Trotzalter zu benehmen, wenn er seinen Willen nicht bekommt oder etwas machen soll, auf das er keine Lust hat), ein schlichtes 'Nein' zu akzeptieren, sich situationsadäquat zu verhalten, Sinneseindrücke aus seinem Umfeld angemessen zu verarbeiten, sich auf unbekannte Situationen einlassen zu können und nicht zuletzt in 'mangelnder Impulskontrolle'.
Er hat oft massive Ausraster und extreme Wutanfälle. Schon Kleinigkeiten bringen ihn aus der Ruhe; es muss nur mal etwas nicht nach Plan laufen, schon rastet er aus.
Vor allem sein unberechenbares, häufig unkontrollierbares Verhalten macht einen normalen Alltag für uns sehr schwierig.
Trotz all der Schwierigkeiten, die eine autistische Störung mit sich bringt, kann ein Zusammenleben mit einem Asperger-Kind und dessen Integration in die Gesellschaft gelingen – mit geeigneten Hilfen und entsprechender Unterstützung; wobei an dieser Stelle gesagt werden muss, dass alles immer auch sehr vom Wohlwollen, von der Aufgeschlossenheit und Toleranz, der Geduld und nicht zuletzt der Einstellung und Persönlichkeit aller Beteiligten abhängt.
In diesem Folgeband möchte ich von den Fortschritten und Veränderungen – und der enormen Entwicklung – berichten, die mein Sohn seit dem Ende seiner Grundschulzeit gemacht hat.