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Leseprobe für das Buch Die 10 Gebote ausgelegt für das 21. Jahrhundert
schöpfungstheologisch, ökologisch, soziofair
von Künstlerin: Stephanie Mester; Text: Jochen Stolch:

Wir leben also auf der Erde, wir leben von der Erde, ja mehr noch, wir sind (ein Teil der) Erde. Und deshalb ist „unser Schicksal … an das ihre geknüpft. Und weil wir Erde sind, wird es ohne die Erde keinen Himmel für uns geben.“
Was also von uns gefordert ist, ist Achtsamkeit und Sorge ihr gegenüber. Denn „die Erde existiert seit etwa 4,4 Milliarden Jahren. Milliarden von Jahren hat sie ohne uns gelebt und auch in Zukunft kann sie ohne uns leben. Wir können jedoch nicht ohne sie existieren. Wir brauchen die Erde, um zu leben.“ Was also ist angesagt?
Ich führe nun fünf Punkte an, ohne deren Umsetzung sich m.E. nichts ändern wird. Leonardo Boff beschreibt diese wie folgt:
„Als Erstes kommt es darauf an, dass wir eine besondere Sensibilität für die Natur und alles, was in ihr lebt, entwickeln. Wir müssen uns die wissenschaftlich erwiesene Tatsache vor Augen führen, dass alle Lebewesen zusammen die eine Gemeinschaft des Lebens bilden. Alle, vom einfachsten Bakterium bis zum Menschen, besitzen dieselben zwanzig Aminosäuren und dieselben vier Basen. Wir sind also alle miteinander ‚verwandt‘, wir sind Cousins und Geschwister. Und als solche sollten wir auch miteinander umgehen. Und trotzdem behandeln wir die Kühe wie Milchproduktionsmaschinen und die verschiedenen Viehsorten wie Fleischabteilungen. Wir machen uns dabei das Leid nicht bewusst, das wir ihnen zufügen.
Zweitens müssen wir … ‚für die Gemeinschaft des Lebens in Verständnis, Mitgefühl und Liebe sorgen‘ …. Die Fürsorge ist für das Leben wesentlich. Ohne die nötige Fürsorge wird das Leben - besonders an seinem Beginn und an seinem Ende - geschwächt und stirbt. Alles, wofür wir sorgen, lieben wir, und für alles, was wir lieben, sorgen wir auch. Die Sorge um die Dinge bewirkt, dass sie viel länger halten, und gibt ihnen Frieden und Sicherheit.
Drittens müssen wir uns zu unserer universalen Verantwortung bekennen. Verantwortung tragen bedeutet, sich der Folgen seines Handelns bewusst zu sein. Es gibt Handlungen, die einen großen Teil des Ökosystems zerstören können. Wie wir schon früher betont haben, lautet das Prinzip: ‚Handle in so verantwortungsvoller Weise, dass dein Tun der Erhaltung und der Entwicklung des Lebens förderlich ist.‘
Viertens müssen wir der Kooperation und Solidarität den Vorrang gegenüber Wettbewerb und Konkurrenz einräumen …. Die Kooperation bildet das oberste Gesetz des Universums und der Entwicklung des Menschen. Die Kooperation war es, die uns den Sprung vom Tierreich zum Menschsein ermöglichte. Damit wurden wir zu sozialen Lebewesen, die sich durch den Gebrauch der Sprache auszeichnen. Sie ermöglicht es uns, unser Verhältnis zu den Dingen zu bestimmen, indem wir sie in eine Ordnung bringen und unsere Beziehung zu den anderen Menschen zu gestalten, indem wir Kommunikation und Gemeinschaft mit ihnen pflegen.
Fünftens müssen wir unseren geistigen Zustand verbessern, indem wir die Spiritualität pflegen. […] Sie gehört […] zur Tiefendimension des Menschseins. […] Immer, wenn der Mensch sich die Frage stellt, woher er kommt, wohin er geht und was er hoffen darf, immer wenn er entdeckt, dass hinter allen Dingen eine geheimnisvolle Energie am Werk ist, die alles in großer Harmonie zusammenhält und immer wieder von Neuem vereint und dem Leben über den Tod hinaus Sinn verleiht … immer, wenn er diese Dimension lebt, nährt er seine Spiritualität. Sie entfaltet sich in Liebe, Fürsorge, Mitgefühl, Akzeptanz des Anderen, in der Widerstandsfähigkeit der Seele (‚Resilienz‘) und in der Hoffnung.“

Diese fünf wichtigen Punkte nochmals im Überblick:
- Sensibilität
- Fürsorge
- Universale Verantwortung
- Kooperation + Solidarität
- Spiritualität


- Welchen dieser Punkte nehme ich mir für heute vor, um die Verbindung zu allem Lebenden zu spüren, zu pflegen, zu achten


7. Gebot:

Du sollst nicht stehlen.

Mose 20,15

Landläufig wird unter diesem Gebot ein Diebstahl verstanden, bei dem jemand einen anderen Menschen materiell schädigt, indem er ihm etwas wegnimmt. Es handelt sich also um einen Übergriff gegen fremdes Eigentum. Eine besondere Form davon ist der Ladendiebstahl. Eine neuere Form besteht sicher im Datendiebstahl, der in Zeiten der globalen Vernetzung für die Hacker und deren Hintermänner lukrativ sein dürfte. Denn alles über eine Person zu wissen, macht sie angreifbar, verletzbar und letztlich ausnutzbar. Auch der Diebstahl von geistigem Eigentum (Plagiat) ist hierbei zu betrachten, ebenso wie der Raub von Patenten (siehe die Interpretation weiter unten).
Wir sollten hier also nicht nur an materielle Dinge denken, wie die wenigen Beispiele oben schon deutlich vor Augen führen. Man kann anderen Menschen auch immaterielle Dinge stehlen. Z.B. deren Würde, ihre Zukunft, Freiheit oder Hoffnung (siehe weiter unten).
Das »Diebstahlverbot« schützt also sowohl das Eigentum des Nächsten als auch dessen Freiheit - auch seine körperliche Freiheit. Es wendet sich nämlich auch gegen »Freiheitsberaubung« in jeglicher Hinsicht. Darunter können sowohl Entführungen als auch Geiselnahmen subsumiert werden. Josef, der Sohn des Erzvaters Jakob, drückt das ihm widerfahrene Unrecht mit den Worten aus: „Gestohlen, gestohlen bin ich aus dem Land der Hebräer“ (1. Mose 40,15). Zum Themenfeld der »Freiheitsberaubung« gehören aber auch alle Fälle, in denen der Mensch als Ware betrachtet oder zum Opfer einer Geschäftstüchtigkeit gemacht wird. Dazu zählen Kinderarbeit, Menschenhandel, Verkauf von Kindern (Mädchen wie Jungen) sowie Erwachsenen in die Prostitution, die Organentnahme bei Menschen mit geringem Einkommen ebenso wie die Ausbeutung all derer, die als bloße und billige Arbeitskraft missbraucht werden.
Beim oben angesprochenen Eigentum ist aber nicht nur Privateigentum im Blick, sondern auch öffentliches Eigentum. Dazu zählt alles, was dem Staat, Land, dem Regierungsbezirk oder einer kommunalen Gemeinde gehört. Zu den häufigsten Fällen von Diebstahl am öffentlichen Eigentum können Steuerhinterziehung und Veruntreuung gezählt werden, aber auch Unterschlagungen sowie Beschädigungen des Gemeingutes sollten hier im Blick sein. Umgekehrt sollte sich z.B. aber auch der Staat nicht am Privateigentum vergreifen, z.B. durch Enteignungen.
Das »Diebstahlsverbot« bezieht sich also auf Einzelne ebenso wie an Gemeinschafts- und Gesellschaftsformen.
Eine ganz subtile Form des »Diebstahls« verbindet sich m.E. mit dem Abbau von sozialen Leistungen, die eigentlich der sozialen Sicherung im Alter, bei Krankheit, bei Arbeitslosigkeit oder sonstiger Hilflosigkeit dienen sollten. Wer aber Institutionen, die das soziale Netz ausmachen, zur eigenen Bereicherung oder zur Umverteilung von Staatsgeldern missbraucht, bestiehlt bedürftige Menschen der Möglichkeit, ihr Leben in Würde bestreiten zu können.
Die deutsche Sprache bietet über all das Genannte hinaus in ihren Redewendungen noch Weiteres an, was man anderen entwenden kann. Man kann z.B. jemandem den Verstand rauben, jemandem den Schlaf rauben, jemandem Zeit rauben oder sogar den Atem. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass jemandes Ruf oder sein persönliches und öffentliches Ansehen gestohlen wurde (vgl. 4. Gebot).
In ökologischer Hinsicht geschieht Diebstahl in mehrfacher Hinsicht:
Zum einen plündern und beuten wir unseren Planeten gnadenlos aus. Damit berauben wir künftige Gene¬rationen jeglicher Lebensperspektive. Denn wir graben nach Rohstoffen, tragen Erde und Humus ab, ver¬schmutzen Gewässer, Grundwasser und die Luft. Unsere Konsumgewohnheiten verstärken diesen Raubbau an den Gütern der Erde ganz erheblich. Einen in diesem Zusammenhang gerne ausgeblendeten Fakt möchte ich als Beispiel an dieser Stelle erwähnen. Es ist das unbewusste, aber stetige »Stehlen« von Biomasse. Vielfach beziehen wir aus den Ländern der Südhalbkugel Lebensmittel, die als Biomasse in den Ländern der nördlichen Hemisphäre verbleiben. Das entzieht den Erzeugerländern wertvollen Humus. Nicht anders verhält es sich mit Wasser. In vielen importierten Produkten steckt eine Menge sauberes (Regen-)Wasser (von der Baumwolle über Blumen bis zum Rindfleisch). Und welche skandalösen Ausmaße dieses »Stehlen«, diese »Ausbeutung« bzw. der »Raubbau« annehmen, zeigen uns die Berechnungen zum Earth-Overshoot-Day. Dazu mehr in meiner Interpretation zum 9.+10. Gebot.
„Durch die übermäßige Ausbeutung der Güter und Kapazitäten der Erde stoßen wir an deren Grenzen. Sie kann nicht einmal 30 Prozent dessen wiederherstellen, was ihr entnommen und geraubt wird. Die Erde wird immer ärmer an Wäldern, Gewässern, fruchtbaren Böden, sauberer Luft und Artenvielfalt.“ Ja, es ist unglaublich, selbst „wenn wir heute unseren Produktions- und Konsumtionsprozess vollständig stoppen würden, dann bräuchte die Erde (dennoch) ungefähr tausend Jahre (in einer Zahl: 1.000!), um sich von den Wunden zu erholen, die wir ihr zugefügt haben.“
Grundsätzlich sollten wir festhalten: Gestohlen wird alles, was sich nicht erneuert, regeneriert und im Zyklus einer bestimmten Zeit wieder nachwächst (also nachhaltig ist). Denn wir entnehmen unseren Lebensräumen viel zu viel. Als Beispiel verweise ich auf die Entnahme fossiler Brennstoffe. Harald Lesch schreibt: „Wir holen momentan in einem Jahr so viel Kohlenstoff aus dem Boden, wie die Erde in einer Million Jahre reingesteckt hat. Das heißt, wir haben eine unglaubliche Beschleunigung vollzogen.“ Und Bernhard Suttner zieht - nach einem anderen Beispiel - folgerichtig den Schluss: „Die von uns benutzten Rohstoffe sind in relativ kurzen Zeiträumen erschöpft. Das vielfältig nutzbare ‚Allgemeingut‘ Erdöl zum Beispiel wurde in unvorstellbar langen Zeiträumen gebildet und in unvorstellbar kurzen Zeiträumen - eigentlich sind es gerade einmal drei Generationen - schon zur Hälfte aufgebraucht. Ähnlich steht es mit anderen Ressourcen. Man mag sich nicht recht vorstellen, wie die Erde aussähe, wenn alle heute lebenden Menschen den Konsumstil der Industriegesellschaften praktizierten …“
Wir müssen also dringend an unseren Konsumgewohnheiten und an unserem praktizierten Lebensstil etwas ändern. Wir dürfen nicht allen Begehrlichkeiten nachgeben, die wir haben, sondern sollten zu einer neuen Lebens-Haltung finden, die geprägt ist von Genügsamkeit. Dazu mehr beim 9.+10. Gebot.