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Meinungen zu dem Buch Die 10 Gebote ausgelegt für das 21. Jahrhundert
schöpfungstheologisch, ökologisch, soziofair
von Künstlerin: Stephanie Mester; Text: Jochen Stolch:

Es muss nicht immer Harari sein - ein Glücksfall! Auslegungen zu den zehn Geboten sind Legion – aus gutem Grund: ahnte doch bisher noch jede Generation, das von diesen Texten, einer Überlieferung nach an Mose übereignet, orientierende Kraft ausgehen kann. Dass es dem Autor dabei nicht um einen rückwärtsgewandten, theologieinternen Fachdiskurs geht, signalisiert er schon im Titel: „für das 21. Jahrhundert“ sind seine Überlegungen bestimmt. Trotzdem spürt der theologisch versierte Leser hinter jedem Satz die theologische Sorgfalt, in der die bekannten theologischen, exegetischen, geschichtlichen, ethischen Arbeiten zum Dekalog in das Buch eingeflossen sind. Nachvollziehbar wird das dem fachlich interessierten Leser über das fein gesponnene Netz von annähernd 200 Anmerkungen sowie ein kleines, aber feines Literaturverzeichnis, in dem Autoren wie Altner, Boff sowie zahlreiche schöpfungstheologische Texte ebenso Thesen des Buches begründen wie den Horizont der Betrachtung weiten. In den drei Untertiteln zum Buch „schöpfungstheologisch, ökologisch, soziofair“ schlägt nun das Herzblut des Autors. Der Rezensent kennt und schätzt Jochen Stolch sowohl als Kollege in der pfarramtlichen Praxis als auch über gemeinsame Erwachsenenbildungsarbeit sowie als Mitglied im Umweltteam des Kirchenbezirkes Calw-Nagold. Das dort erlebbare Engagement des Autors, seine präzise Argumentation in Diskussionen und das Achten auf Praxisbezug kehrt im Buch wieder. „Die freudige Lebensverwirklichung“ in Bindung an den „Gott der Befreiung“ ist nach Auffassung des Autors Grundlage nicht für eine „Theorie“ der Nachhaltigkeit, nicht für eine nachhaltige „Entwicklung“, sondern für eine nachhaltige LEBENSWEISE. In Hararis “21 Lektionen für das 21. Jahrhundert wird der Wille manifest, die „großen“ Zukunftsfragen herunterzubrechen auf eine persönlich und gemeinschaftlich mögliche Lebensweise. Dieses Herzensanliegen wird im vorgelegten Buch zu den zehn Geboten trefflich realisiert. Stoff für Konfirmandenkurse zu den zehn Geboten, für Predigtreihen oder Seminare in der Erwachsenenbildung wie auch den Schulunterricht bietet das Buch über seinen Text, die zitierte Literatur sowie die weiterführenden Ausführungen in den Anmerkungen. Damit werden Lehrer, Erwachsenenbildner, Theologen sowie interessierte Laien als Zielgruppe des Buches bestens bedient: aktuelles Material – im besten Sinn „informiert“ - ethische Reflexion biblischer Tradition werden, oft überraschend und immer interessant, ins Gespräch gebracht. Beim Gebot „Du sollst nicht stehlen“ gehen die Beispiele im wahrsten Sinn des Wortes „unter die Haut“. Dem Autor gelingt es, ohne das übliche Moralisieren ein öko- und sozialfaires Verhalten zu entwickeln vom Gedanken der Freiheit her: Wer die ökologischen, ökonomischen und sozialen Kosten eines T-Shirt externalisiert, also junge Menschen in Schwellenländern zu Kinderarbeit zwingt, statt ihnen eine Schulbildung zu ermöglichen, nimmt diesen die gottgewollte Freiheit. Der Autor provoziert, informiert, wird sehr konkret, lockt und lädt den Leser ein, zu einer nachhaltigen LEBENSWEISE. Schwer sich dem zu entziehen und eine der großen Stärken des Buches.

Mit freundlichen Grüßen!
Klaus Dietrich Wachlin, Pfr. i. R.



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