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Leseprobe für das Buch Gottes Geist im Filstal
Lebensgeschichten
von Christian Buchholz:

Welches Fazit können und sollen wir ziehen? Ein Nachwort

Ja – Gottes Geist weht, wo und wie er will. Manches können wir nachvollziehen - ist uns verständlich. Manches weist in die Zukunft - der Kirche und auch der Gesellschaft. Manches erscheint uns abstrus und fremd. Gottes Geist ist mitten in der Welt – aber mit sehr unterschiedlichen (manchmal auch gegensätzlichen) Ausformungen. Es sind eben Menschen und deren individuelle oder politische Interessen beteiligt. Kirchengeschichte, Frömmigkeitsgeschichte, Theologiegeschichte und Profangeschichte sind miteinander verwoben. Menschen nehmen ihre Umwelt (als Gottes Schöpfung) wahr und fühlen sich herausgefordert.
Der Glaube nimmt Gestalt an und wirkt in die Welt und an der Welt. Nichts von Provinzialität - sondern Weltgewandtheit, Weitläufigkeit und Weltläufigkeit. Öffentliche Verantwortung wurde und wird wahrgenommen. Aktuell beobachten wir mit großem Erstaunen und mit einer gewissen Enttäuschung das Gegenteil - in beiden großen Konfessionen. Die Kirchen ziehen sich zurück - in die Nische des sakralen Raums, des Gottesdienstes bzw. der 'Kerngemeinde'. Das können Viele aus eigener Erfahrung bestätigen. Aber die konkrete Begegnung von Kultur und Glaube bzw. die Mitgestaltung gesellschaftlicher Lebensbedingungen gerät aus dem Blick. Unsere protestantischen Väter haben vom 'Wächteramt der Kirche' gesprochen. Das können wir heute so kaum noch einlösen. Und viele Verantwortliche wollen es nicht mehr einlösen. Obgleich die Öffentlichkeit, der Journalismus und die politisch Verantwortlichen unserer Gesellschaft darauf warten, dass sich Menschen einmischen aufgrund ihrer Verantwortung 'vor Gott und den Menschen'.
Ein unmittelbares Ergebnis unserer Reise durch die Religionsgeschichte unserer Region an Fils und Alb könnte sein, Orte der Erinnerung zu gestalten und zu pflegen. Wir vergessen zu schnell und zu leicht. Wir Heutige sind Glieder einer langen Kette. Und nach uns kommen wieder Menschen, die nach ihren Wurzel und den Erfahrungen ihrer Vorfahren fragen - also nach uns! Wir brauchen Räume und Orte der Erinnerung. Nur intellektuell oder wissenschaftlich wird es nicht ausreichen, sich zu erinnern. Wo sind die Straßen, Häuser, Kirchen, Schulen, die sich dem stellen, die sichtbare Zeugnisse sein können? Unsere Aufgabe wäre also, Erinnerungsorte zu schaffen, wo sie noch nicht bestehen - etwa Plätze, Gemeindehäuser, Schulen nach den bedeutenden Persönlichkeiten, derer wir gedacht haben, zu benennen. Einige gibt es ja schon: Dr. Engel-Schule in Eislingen, die Tänzer-Erinnerungstafel an der Stadtbibliothek in Göppingen, das Blumhardt-Gemeindehaus in Göppingen und das Blumhardt-Haus (eine Pflegeheim-Einrichtung) in Uhingen sowie die Blumhardt-Grundschule in Jebenhausen, die Pfarrer-Steeb-Straße in Dürnau, die Hieber-Schule in Uhingen, die Anselm-Schott-Straße in Salach, die Andreä-Kirche in Jebenhausen. In Göppingen die Oetingerstraße, Andreästraße, Schottstraße und Blumhardt-Straße. Aber das Oetinger-Gemeindehaus ist in Göppingen vor einigen Jahren sang- und klanglos im Bewusstsein der Kirche und Kommune verschwunden. Es war einmal! Auch bei abnehmenden finanziellen Möglichkeiten der Kirchen gibt es eine ideelle und geistliche Verantwortung für die Geschichte.
Schließlich gibt es die heute für viele Menschen befremdlich erscheinende Erkenntnis: Engagement kann etwas kosten - öffentliche Anerkennung, Heimat und sogar das Leben. Schon deshalb 'lohnt' es sich, den Weg dieser Menschen zu bedenken - um daraus zu lernen, um diesen Menschen Respekt zu zollen.
'Das eigene historische Gedächtnis muss als Leitlinie für unser Verhalten in der Gegenwart und für die ungelösten Aufgaben genutzt werden, die auf uns warten.' So der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Denn Erinnern ist Grundpfeiler von Kultur - nicht nur des Christentums, das sich schon immer als 'Erzählgemeinschaft' versteht. Die Frage wird nur sein, was wir ausgrenzen oder vergessen. Und warum wir das tun.