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Leseprobe für das Buch Hurra, wir sterben!
Zwischen Menschenwerk und Hoffnungsschimmer
von Dr. Michael Weiß:

INHALT
Vorwort
Der ganz normale Wahnsinn
Blindflug
Bevölkerungsentwicklung – vom Neandertaler zum Energiefresser Digitalgesellschaft
Globale Ökosysteme – Die heile Welt vor dem Aus
Umweltverschmutzung – unser belastetes Erbe
Energiequellen – Ausverkauf im Schlaraffenland
Dynamik wirtschaftlicher Wertschöpfungsprozesse
Von Kleinkriminellen und skrupellosen Großkonzernen
Wenn Produkte krank machen
Greenwashing
Finanzsysteme
Medizin und Ethik
Religionen
Sozialsysteme
Das Dilemma politischer Verantwortung
Kriege und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Analyse eines Systemfehlers
Ursachensuche
Reflexion
Konsum – Wärmetod der Gesellschaft
Verlust genetisch determinierter Intelligenz
Indoktrinierbarkeit
Das Gefangenendilemma
Tragödie des Allgemeineigentums
Wiederholungstäter – verpasste Lehren aus der Vergangenheit
Die Osterinsel-Problematik
Exodus der Anasazi
Die verlassenen Stätten der Maya
Möglichkeiten und Auswege
Globale ökosoziale Marktwirtschaft
Menschheit als Superorganismus
Verhältnismäßigkeit der Isolation
Keimzellen für eine nachhaltige Welt
Fazit
Verweise

VORWORT
Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit in unserer „intelligenten“ Gesellschaft sowie das Wesen des Menschen beschäftigen Denker und Philosophen seit der Antike und sind zur Grundlage vieler Publikationen geworden. Wohin geht unsere Reise? Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts beantworten Wissenschaftler diese Frage zunehmend nüchtern und schließen nicht aus, dass uns die scheinbar unkontrollierbare Eigendynamik unserer Zivilisation in naher Zukunft einem erbärmlichen Ende entgegenführen könnte. Spätestens seit der Veröffentlichung von Dennis Meadows „Grenzen des Wachstums“ im Jahr 1972 liegt eine wissenschaftlich fundierte Grundlagenarbeit vor, vor der eigentlich niemand mehr die Augen verschließen kann. Autoren wie Hoimar von Ditfurth (So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen), Prof. Franz Josef Radermacher (Welt mit Zukunft) und Harald Lesch (Die Menschheit schafft sich ab) haben die Thematik für eine breite Leserschaft aufgearbeitet.
Schon jetzt spüren wir die Auswirkungen unseres Umgangs mit der Erde am eigenen Leib. In Kalifornien hat man den jährlichen Waldbränden kaum noch etwas entgegenzusetzen, die Polkappen schmelzen rapide, Unwetter, Starkregenfälle und Dürren setzen der globalen Landwirtschaft zu.
Gleichzeitig stehen bei uns alle Zeichen auf Wachstum, von der Bevölkerungsentwicklung über die Wirtschaft und die Kapitalmärkte bis hin zum Konsumverhalten. Kapitalgesellschaften und global agierende Megaunternehmen treiben die Ausbeutung unserer Umwelt rücksichtslos voran, respektieren dabei weder die Würde des Tieres noch des Menschen. Allein der Gewinn zählt und ist zur Religion der modernen Digitalgesellschaft geworden.
Dabei ist jedem klar, dass ewiges Wachstum in einer endlichen Welt nicht funktionieren kann. Wir stehen an einem Scheideweg.
Die drohende Apokalypse und damit verbunden verzweifelte sowie ethisch vielfach fragwürdige Rettungsversuche der Menschheit haben ihre Realisation zwar in zahlreichen Thrillern und Actionfilmen gefunden, in der Wirklichkeit aber weder zu einem nachhaltigen Richtungswechsel noch zu effektiven Lösungsansätzen geführt.
Die Fakten sind bekannt, wir Weltmeister im Verdrängen und Schönreden.
Wie schaffen wir es, die Bevölkerungsexplosion und unsere auf immerwährendem Wachstum basierenden Gesellschafts-, Wirtschafts- und Finanzsysteme in den Griff zu bekommen? Und noch viel wichtiger: Warum sollten wir die globalen Probleme in den Griff bekommen? Die Beantwortung letzterer Frage könnte allein aus humanistischen Überlegungen erfolgen: Jeder hat ein Recht auf eine lebenswerte Existenz, auf Gesundheitsfürsorge und eine humane Betreuung am Ende seiner individuellen Existenz. Und noch viel wichtiger: Unsere Kinder und Kindeskinder sollten ebenfalls eine lebenswerte Welt vorfinden und ihre Existenz nicht auf einer verseuchten Müllhalde, die einigen ihrer Vorfahren über einen Zeitraum von 100 Jahren eine konsumorientierte, schnelllebige Existenz im Überfluss ermöglicht hat, fristen. Selbst heute, wo uns die Folgen unseres Umgangs mit der Umwelt täglich vor Augen geführt werden, erscheint eine wirklich nachhaltige Entwicklung in weiter Ferne.
Ich selbst ertappe mich täglich dabei, meinem eigenen Anspruch an den persönlichen Lebensstil nicht gerecht zu werden. Wie aber soll sich etwas ändern, wenn das Gros der Menschheit nicht einmal einen Gedanken an die existentiellen Probleme der Menschheit verschwendet? Diesbezügliche wissenschaftliche Publikationen sind eine trockene Materie und die täglichen Hiobsbotschaften aus den Nachrichten erreichen die meisten Menschen in ihrer individuellen Welt kaum noch wirklich.
Das vorliegende Buch analysiert das verlogene und von Doppelmoral geprägte Wesen des Menschen, geht auf Ursachensuche für unser alltägliches Verhalten und findet Antworten in den frühesten menschlichen Gesellschaften. Es zieht Parallelen zu untergegangenen Kulturen, hinterfragt Religionsgemeinschaften, politische Systeme sowie das globale Wirtschafts- und Finanzgebaren und kommt zu dem Schluss, dass wir es nur durch persönlichen Verzicht und durch kritisches Hinterfragen unseres eigenen Lebensstils schaffen könnten, die dringlichsten Probleme der Menschheit in den Griff zu bekommen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten wir alle Energie aufwenden, um global nachhaltige Systeme sowohl in der Gesellschaft als auch der Wirtschaft zu implementieren.
Wichtigste Ziele müssten mittel- und langfristig die Reduzierung der Weltbevölkerung und parallel die Überführung der globalen Wirtschaft in ein nachhaltiges System sein. Kriege und Krankheiten werden in den kommenden Jahrhunderten ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen, das vorherrschende Leid und Elend dabei aber potenzieren. Die Gräueltaten der Mitwirkenden an der Euthanasie im Nationalsozialismus werfen ihre Schatten bis in die Gegenwart und machen es uns schwer, überhaupt über eine Korrektur der Bevölkerungsentwicklung nachzudenken, insbesondere wenn solche Überlegungen von einem Deutschen ausgesprochen werden.
Der einzig gangbare Weg wäre aber eine globale Geburtenkontrolle. Durch unsere medizinischen Errungenschaften und unsere „Überlegenheit“ gegenüber der Natur haben wir es erreicht, die natürliche Selektion zu minimieren. Im Gegenzug müssten wir die Reproduktion unserer globalen Gesellschaft aktiv beeinflussen, um die drängendsten Probleme auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen.
Leider unternimmt die globale Staatengemeinschaft derzeit keinen ernsthaften Versuch, wirklich etwas Grundlegendes zu verändern. Stattdessen feiert sie sich nach jedem Umweltgipfel erneut mit der Verabschiedung von Klimazielen, ohne jedoch einen konkreten Weg aufzuzeigen und natürlich ohne den Menschen reinen Wein einzuschenken: Die Realisierung unserer Klimaziele bedeutet Verzicht und schmerzliche Einschnitte in unseren gewohnten Lebensstandard. Diese Tatsachen sind einem Wähler in einer modernen Demokratie kaum zu verkaufen.

Der Ausweg?
Es wird uns wahrscheinlich nicht gelingen, unsere Lebensgewohnheiten, für deren dauerhafte Aufrechterhaltung wir bereits heute zwei bis drei Erden bräuchten, in ausreichendem Masse zu ändern. Hierbei ist nicht einmal berücksichtigt, dass an dem alltäglichen Standard der entwickelten Welt Milliarden Menschen nicht einmal teilhaben, ihn nichtsdestotrotz aber anstreben könnten. Was also können wir tun? In Anbetracht eines derart unerquicklichen Zukunftsszenarios wäre es eine konsequente Entscheidung, keine eigenen Kinder zu bekommen, ihnen so die Verteilungskämpfe der nächsten Jahrzehnte zu ersparen und zugleich etwas gegen die Überbevölkerung zu tun. Es liegt mir fern, Kinderwunsch zu verurteilen. Wie viele unserer selbstzerstörerischen Verhaltensweisen entspringt er einem genetischen Code, hat wie sie über Jahrmillionen unsere Existenz gesichert – wird uns aber nun zum Verhängnis.
Die globale Geburtenrate heute zu reduzieren ist jedoch allemal menschlicher, als Milliarden Nachkommen unserer Zivilisation ihrem leidvollen Schicksal zu überlassen.
Die Suche nach dem Weg in eine nachhaltige Existenz der menschlichen Zivilisation bleibt weiterhin eine Herausforderung, ganz besonders in einer Welt, in der die überwiegende Zahl der Individuen und Nationen egoistisch und von materiellen Zielen motiviert handelt. Vielleicht ist die Suche nach diesem Weg eine unerreichbare Illusion, gleich dem individuellen Wunsch des Menschen nach ewigem Leben.
Vielleicht aber ist diese Suche, genau wie das Streben nach persönlicher, gesellschaftlicher und globaler Gesundheit, genauso wichtig wie das Erreichen dieser Ziele selbst.

DER GANZ NORMALE WAHNSINN - BLINDFLUG
Ist Ihnen das auch schon mal so ergangen? Sie stehen morgens auf, sitzen nach einer Tasse Kaffee im Auto oder im Bus auf dem Weg zur Arbeit und beim Anblick des Verkehrschaos um Sie herum fragen Sie sich, wie es denn weitergehen könnte auf unserem Planeten. Wie wäre es, wenn jeder der 8 Milliarden Erdenbürger ein Auto fahren würde, ein Haus mit wohliger Wärme im Winter haben, eine Familie mit eigenen Kindern gründen und jährlich zweimal in den Urlaub fliegen möchte? Reichen die Ressourcen dafür? Haben wir unsere eigene Entwicklung überhaupt im Griff oder drehen wir uns jeder für sich nur im Kreis im täglichen Kampf ums Überleben, um Sicherheit und um Wohlstand? Wer begrenzt das ewige Wachstum und vor allem was passiert mit uns und unseren Kindern, wenn wir die Grenzen des möglichen Wachstums erreichen? Wer kümmert sich um diese existentiellen Probleme? Die Politik, die Wirtschaft oder die Religionsgemeinschaften? Streben die nicht auch in ungebremstem Expansionsdrang einer ungewissen Zukunft entgegen?
Wir empfinden uns als Krönung der Schöpfung, sind stolz auf unser Wertesystem, unsere Kultur, die Leistungen unserer Wissenschaften, auf Kunst und Architektur, schlichtweg darauf, wie wir uns die Erde und einen Großteil der auf ihr lebenden Kreaturen untertan gemacht haben.
Einem neutralen Beobachter, zum Beispiel einem Besucher aus einer fernen, außerirdischen Zivilisation, würde das Treiben der Menschen wahrscheinlich deutlich weniger überlegen, geordnet und durchdacht, schon gar nicht nachhaltig, verantwortungsbewusst oder gerecht erscheinen.
In Wahrheit verdeckt die glänzende Fassade der technischen Errungenschaften und kulturellen Leistungen unseren realen Blindflug, der oft an Grausamkeit, Sinnlosigkeit, Ungerechtigkeit und Willkür kaum zu überbieten ist. Seit jeher haben wir unsere Fehlbarkeit zu kaschieren gewusst und stets ein Deckmäntelchen guten Scheins und Wollens über unser Tun gebreitet. So rennen wir von der Kraft unserer Evolution sowie nicht endendem Schöpferdrang und Egoismus getrieben ohne die erlernte Fähigkeit zur Selbstbegrenzung mit einem selbstherrlich arroganten Lächeln in den eigenen Untergang. Was wirklich um uns herum geschieht, wie gravierend die Veränderungen durch Zerstörung von Ökosystemen, abgeholzten Wäldern, Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung sind, merken wir oft nicht einmal. Das Problem ist, dass all diese Entwicklungen für unser individuelles Empfinden sehr langsam von statten gehen, jeden Tag ein bisschen, ganz unmerklich, bis eines Tages die Kataststrophe da und uns jeglicher Handlungsspielraum genommen ist. Oft werden Probleme erst dann wahrgenommen, wenn es bereits zu spät ist. Jared Diamond umschreibt diesen Prozess mit dem schönen Begriff „Landschaftsvergesslichkeit (1 S. 526)“. Wenn wir uns heute unsere Welt anschauen, dann ist das, was wir vorfinden, der von uns gelebte „Normalzustand“. Dass es im Winter nicht mehr unbedingt schneit, daran haben wir uns bereits gewöhnt, dass die Gletscher weltweit massiv zurückgegangen sind, die Polkappen abschmelzen, das merken wir kaum. Die Gletscher sind schließlich noch da, auch die Polkappen. Wenn wir uns allerdings 100 Jahre alte Fotos aus Gletscherregionen anschauen, dann bekommen wir erst einen Eindruck, wie radikal sich Landschaften verändert haben. Für ein Menschenleben sind das lange Zeiträume, betreffen eine oder zwei ganze Generationen. Bezogen auf das Erdzeitalter sind solche Zeiträume, in denen Gletscher abschmelzen, sich das Klima erwärmt, globale Radioaktivität freigesetzt wird, sich die Zusammensetzung der Atmosphäre ändert, nur ein Wimpernschlag. Auch das Phänomen der Klimaerwärmung ist ein unmerklich voranschreitender Prozess. Wir fühlen nicht, dass sich die mittlere Temperatur im Jahr um 0,01°C erhöht. Es gibt warme Winter, kalte Winter, warme Sommer und kalte Sommer. Tages-, Wochen- und Monatsschwankungen werden von uns viel intensiver wahrgenommen und unter dem Vorzeichen dieser ominösen Klimaerwärmung interpretiert, ...