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Leseprobe für das Buch Jagd auf Drei Eichen von Tina Marliese Dominik:

'Zeig her ...!' Tante Rosa sprang auf und riss Marie das Schreiben aus der Hand. Ihre Stirn legte sich in sorgenvolle Falten, während sie hastig den Text überflog. Der von Direktor Wagenbach beauftragte Gutachter, Klaus Remer, war bereits für übernächsten Montag um 10.00 Uhr avisiert. Danach erfolgte eine Auflistung von Unterlagen, die Marie für den Gutachter zur Verfügung zu stellen hätte. Zum Schluss wurde noch einmal nachdrücklich auf den Termin zur Rückzahlung des Kredits sowie der angelaufenen Zinsen hingewiesen. 'Diesem Wagenbach kann es wohl nicht schnell genug gehen!', schimpfte Tante Rosa erbost. 'Woher will er denn wissen, ob wir das Geld nicht doch zum gesetzten Termin zurückzahlen. So eine Unverschämtheit! Wir sollten ihn gleich morgen anrufen und uns beschweren!' - 'Vergiss es! Es reicht gerade, dass ich Martin verärgert habe! Wir können uns jetzt nicht auch noch mit Direktor Wagenbach anlegen!' - 'Aber man braucht sich ja nicht alles gefallen lassen!' - 'Soll dieser Remer doch das Haus schätzen!', erklärte Marie resigniert, 'Das bedeutet ja nicht automatisch, dass es damit gleich zur Zwangsversteigerung kommt, oder?'

'Mein Gott, ich hatte wirklich vergessen, wie herrlich das ist!' Völlig außer Atem von dem langen Galopp parierte Leon den Wallach durch, ließ die Zügel lang und tätschelte Ravels Hals. Dann drehte er sich im Sattel um. 'Ich komme mir vor wie im Paradies! Ich weiß gar nicht, wann ich mich das letzte Mal so entspannt und gut gefühlt habe!' Marie, die nun dicht hinter ihm war, ließ Balou ebenfalls in Trab fallen und dirigierte den Wallach an Leons Seite. Auch sie war wie berauscht von dem kernigen Galopp. Ihre Wangen waren gerötet und ihre Augen glänzten. 'Sie haben mich nach Strich und Faden belogen! Sie sind alles andere, als aus der Übung gekommen!', beschwerte sie sich japsent und ließ Balou die Zügel lang. Er lachte leise auf und fuhr sich durch seine zerzausten Haare. 'Vielleicht habe ich ein bisschen untertrieben!', gab er schließlich zu. Marie verzog gequält das Gesicht. Dieser Mann sprühte nur so vor Überraschungen. Mit größter Verwunderung hatte sie an diesem Samstagnachmittag und bei ihrem ersten gemeinsamen Ausritt - natürlich hatte Leon gleich auf einen Ausritt bestanden - festgestellt, dass er - obwohl angeblich so lange aus der Übung gekommen, sogar im Sattel eine hervorragende Figur machte. Selbstverständlich hatte sie ihm Ravel für diesen Ausritt zur Verfügung gestellt. Das gehörte sich schließlich so. Ihr Vater hatte es mit Gästen immer so gehandhabt. Mit White Lady wäre ein Ausritt zu diesem Zeitpunkt ein wohl eher fragwürdiges Vergnügen gewesen. Und genauso selbstverständlich hatte Leon seinen ersten Ritt seit Jahren nicht nur mit Bravour gemeistert, sondern offensichtlich auch von Herzen genossen. Ravel, der im Grunde auf Marie fixiert war und sich bei fremden Personen eher nervös und zuweilen auch ziemlich aufsässig unterm Sattel verhielt, ging - von ein paar kleineren Aussetzern mal abgesehen - erstaunlich ruhig und kaute zufrieden auf dem Gebiss. Leon saß sehr aufrecht und trotzdem völlig entspannt im Sattel, die Zügel leicht anstehend und immer wieder weich und nachgiebig mit der Hand. Sie ritten die Strecke, die Marie gemeinsam mit Dux, Hennes und Lea für die diesjährige Eröffnungsjagd im September ausgewählt hatte. Eine sehr abwechslungsreiche und anspruchsvolle Strecke, die nicht nur über herrliche Wiesen mit Gräben und Bachläufen, sondern auch über verschlungene, dicht bewachsene Waldwege führte. Marie war sich sicher, dass die diesjährige Jagd auf Drei Eichen ein voller Erfolg werden würde, obwohl ihr der Gedanke, den ganzen Spaß selbst finanzieren müssen, noch immer regelrechte Bauchschmerzen bereitete. Aber dieser Tag war zu schön, um sich davon die Laune verderben zu lassen. Und außerdem waren es bis Anfang September noch gut zwei Monate. Wer weiß, was bis dahin alles passieren würde.