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Leseprobe für das Buch Schwester Jelenas Tränen
Erlebnisse am Maidan 2014/15
von Charis Haska:

Vorwort
Dieser furchtbare Schmerz, der Dir den Kopf zu zersprengen droht. Er setzt direkt unter Deiner Schädeldecke an, vermutlich an der Knochenhaut. So jedenfalls empfindest Du ihn. In Dir krampft sich alles zusammen. Du willst aufschreien: 'Das darf doch alles nicht wahr sein!' Aber es ist wahr. Dein Weltbild ist erschüttert, die Friedensordnung zerrissen. Und das Schlimme ist, dass es Menschen existenziell betrifft, die Du selbst kennst. Die Dir nicht erst gestern über den Weg gelaufen sind. Marina, die um den Freund trauert, der an der Front gefallen ist. Valentyna, die ihre Freunde im Lazarett in unserer Kirche behandelt hat, nachdem sie von Janukowitsch’ Sicherheitskräften angeschossen wurden. Jetzt nützt sie jede freie Minute, um Medikamente für sie zu sammeln und die kleinen, von ihr und ihren engagierten Helfern zusammengestellten Erste- Hilfe- Boxen zu ihnen an ihren Standort zu bringen. Zu Blockposten in der Ostukraine. Und zum Flughafen von Donezk. Wie schafft sie das? Ihr Arbeitstag als Ärztin ist anstrengend genug! Ich drehe ihr Abschiedsgeschenk in meinen Händen: die filigranen Ohrringe, die sie von einem Silberschmied des Asow-Bataillons für mich hat anfertigen lassen. Das ukrainische Staatswappen stellen sie dar, kunstvoll sind die kyrillischen Buchstaben V O L I JA ineinander verschlungen. Seit der drohenden Annexion der Krim ist das früher für mich völlig abstrakte Symbol zum Leben erwacht. Es gab zahlreiche Zeichnungen im Internet, auf denen es, liebevoll 'Trisubka'[1] genannt, als Friedenstaube durch die Lüfte flog. Freunde haben mir bereits zum Geburtstag die Trisubka im Strahlenkranz der Sonne geschenkt, als Anhänger für ein Silberkettchen. Sie passt mit den Ohrringen zusammen, auch wenn sie sich in winzigen Einzelheiten unterscheiden. Mein Junge trägt die Trisubka auf blaugelbem Hintergrund als Emblem auf seinem T-Shirt. Zahlreiche Oberteile hab ich gesehen, auf denen sie riesig abgebildet ist. Zum Teil bestehen ihre Linien aus Blumen. Volija bedeutet nicht 'Welle' oder 'Wille' wie im Russischen, obwohl sich der Begriff genauso schreibt. Auf Ukrainisch heißt VOLIJA 'Freiheit'.
Behutsam lege ich die Ohrringe in meine Schmuckschublade. Nein, ich möchte sie nicht im Urlaub in Lappland anlegen und womöglich dort verlieren, wo sie kaum jemand sieht. Und wo ich sie aus sprachlichen Gründen bei Rückfragen nicht erläutern kann. Ich möchte sie mit dem Kettchen zusammen in Deutschland tragen, in meiner neuen, alten Umgebung.