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Leseprobe für das Buch Sterben im Leben von Dr. Joachim Klose, Dr. Ingrid-Ulrike Grom:

In seiner ursprünglichen Form stellt der Totentanz tatsächlich einen Tanz der Toten, der Toten mit den noch Lebenden dar, einen sich meist nach links bewegenden Reigen von je einer leichenartigen Gestalt und je einem Vertreter der damaligen Stände und Berufe, in absteigender Rangfolge angeordnet, von Papst, Kaiser und König bis zu Bauer, Bettler und Kind. Schon nach relativ kurzer Zeit verlor die Totengestalt immer mehr ihre fleischliche Konsistenz, bis sie zum reinen Skelett und zugleich allmählich zur Personifikation des abstrakten Begriffs Tod wurde. Die Ständeprozession ist durch das Bild eines Predigers eingeleitet, vor dem eine kleine Gruppe von Toten zum Tanz aufspielt. In vielen Fällen, wie zum Beispiel im berühmten, um 1440 entstandenen Fresko an der Friedhofsmauer des Dominikanerklosters zu Groß-Basel, spielt das Totenorchester vor einem Beinhaus, dem die Ständereihe zustrebt. Von den spätmittelalterlichen Totentanzgemälden haben sich leider nur wenige und diese meist in abgelegenen Gegenden erhalten. Die noch existierenden frühen Totentänze befinden sich mehrheitlich in Frankreich, einige wenige in Istrien und Norditalien. Die Totentänze der oberdeutschen Linie, wie z.B. in Ulm, Groß-Basel, Klein-Basel, Straßburg oder Bern, sowie der niederdeutschen Linie, wie z.B. das prächtige Gemälde in der Marienkirche zu Lübeck, sind fast alle der Zerstörung zum Opfer gefallen. Wie nie zuvor in der Geschichte wurde im Totentanz die Hinfälligkeit des Menschen zur Schau gestellt, auf drastische Weise durch die mumifizierten oder skelettierten Gestalten der Toten veranschaulicht, die im Tanzschritt oder mit grotesken Sprüngen die Lebenden, ungeachtet ihrer Würde, hinter sich herziehen. Hinsichtlich der Schockwirkung solcher Bilder repräsentiert der Totentanz ein eindringliches Memento mori in einer Zeit der großen Angst vor dem unvorbereiteten Tod, einen gewaltigen Aufruf zur Buße, zu ständiger Todesbereitschaft und gottesfürchtigem Lebenswandel. Für seine didaktische Funktion spricht auch das Nebeneinander von Wort und Bild: Über bzw. unter jedem Figurenpaar stehen vierzeilige oder achtzeilige Verse, zuerst die mahnende und oft auch kritische Anrede des Toten bzw. des Todes und darauf die Antwort der jeweiligen Person, die meist über den zwanghaften Tanz in den Tod klagt und eigene Sünden bekennt.