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Leseprobe für das Buch Teddy muss mit von Siegfried Berndt:

S.20,21,22
'Kommt, kommt, Jungs, wir müssen weg', hörte er seine Mutti aufgeregt sagen, und jemand rüttelte ihn an der Schulter. 'Die Front rückt näher.' – 'Ein Spähtrupp war schon kurz vor der Panzersperre.' Die Leute im Zimmer sprachen und tapsten alle durcheinander und wühlen im Stroh. 'Mach doch mal jemand Licht!' – Lasst das Licht aus, verdammt noch mal!', schrie der Mann mit der Armbinde. 'Oder wollt ihr alle krepieren?' Jemand hob Ulli auf den Arm. Alfred war es. Sie drängten zur Tür. Die Küche war fast leer. Nur eine alte Frau und ein alter Mann saßen auf der Bank am Ofen. Die Ofentür stand offen. Man konnte dunkelrot die Glut sehen. Ein schwacher Schein fiel auf den Fußboden. 'Kommen Sie, Muttchen, kommen Sie', sagte der Mann mit der Armbinde. 'Nein, nein! Wir bleiben hier', sagte da der Mann ganz leise. Und die Frau fügte hinzu: 'ich bin doch schon zu alt. Mich wollen die doch nicht mehr.' – 'Na, denn nich', hörte Ulli den Mann mit der Armbinde noch sagen. Dann waren sie auch schon draußen auf dem Hof. Alfred hatte Ulli immer noch auf dem Arm und lief ein paar Schritte auf den Hofausgang zu, wo Wolfram und Friedrich und Mutti schon den Schlitten auf den Weg schoben, der leicht ansteigend zu der Straße führte, die sie gestern Abend gekommen waren. Als sie den Schlitten erreicht hatten, setzte Alfred Ulli ab. 'Komm, schieb mal mit. Der Schlitten ist so schwer. Und es hat so viel geschneit.' Ulli stemmte sich mit beiden Händen von hinten gegen den Schlitten und hatte das Gefühl, dass der Schlitten auf einmal ganz leicht zu schieben wäre. 'So wartet doch auf mich!', hörte er Oma hinter sich rufen. Sie keuchte ein bisschen, holte aber auf und schob dann selber noch mit. Ihr Mantel und ihr Rock schlugen Ulli immer wild um den Kopf. 'Gleich sind wir auf der Straße. Dann haben wir es geschafft.' Alfred schnaufte es Ulli förmlich ins Ohr. Und dann waren sie oben. Der Schlitten fuhr jetzt ganz leicht. Aber sie schoben immer noch zu dritt. Vorn zogen Wolfram und Friedrich. Und Ulli sah Muttis Füße neben den Schlittenkufen auf der Seite. Sie musste fast rennen. So schnell schob er den Schlitten! Es war wie eine aufregende Jagd. So würde der Spähtrupp sie niemals kriegen, von dem der Mann mit der Armbinde gesprochen hatte. Es schneite auch nicht mehr. Aber es war noch ganz dunkel. Sie waren so schnell, dass sie eine Weile lang mehrere Schlitten überholten. Dann wurden sie langsamer, und Ulli und Oma hörten auf zu schieben. Alfred ging nach vorn, Friedrich kam nach hinten, und Mutti hakte Oma wieder unter. Sie gingen wieder so wie gestern Nachmittag und Abend. Die Großen zogen und schoben den Schlitten, die beiden Frauen und Ulli stapften hinterher. Sie atmeten jetzt wieder ruhiger. Mutti nahm Ulli an die Hand, blieb dann aber plötzlich stehen und schaute ihn an. Sie hielt seine rechte Hand ganz fest. In der linken hielt Ulli sein Köfferchen. Das hatte er beim Schlittenschieben gar nicht bemerkt. Sie kauerte sich vor Ulli nieder, sah ihn an und sagte: 'Wo ist denn Teddy?' – 'Teddy!' Wie ein Schrei kam es aus Ullis Mund. Nur: es war ein ganz, ganz leiser Schrei. Und dann noch einmal, mit einem Schluchzen, kaum hörbar: 'Teddy!' Die Tränen kullerten. Dicke warme Tränen. 'Teddy ist weg.' Mutti drückte ihn, noch immer vor ihm kauernd, ganz fest an sich, schmiegte seinen Kopf in ihre Schulterkuhle und sagte leise: 'Mein Kleiner.' Ulli schluchzte. Nur mühsam kriegte er raus: 'Ich will Teddy wieder haben!' Ganz sanft, aber irgendwie ganz von Ferne hörte er ihre leise Stimme: 'Das geht nicht, mein Kleiner. Wir können nicht zurück. Die Front ist bald da. Wir müssen weiter.' Und während er die Stimme hörte..