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Leseprobe für das Buch Die einzige Religion ist Liebe!
Der philosophische Beweis, dass alle Religionen in ihrem Kern vereint sind.
von Carsten Adler:

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Einleitung
Liebe
Bin ich „Mensch“ oder lediglich „Ich“?
Das „Böse“ als das „falschverstandene Gute“
Der Gute Kern des Menschen
Die Sinnhaftigkeit von Strafen
Religion als Lösung (?)
Ideologie vs. Religion
Mein „Selbst“
Der Weg zum „Selbst“
Renaissance der Stoa
Matthew Tindal: Religion – so alt wie die Menschheit
Vernunft vs. Verstand
Stoische Gedanken
Theosophie
„Das von Gott ins uns“: Die Quäker
Herausforderungen für die religiöse Gemeinschaft
„Nie tiefer als in Gottes Hand“
Was ist „Leid“?
Meister Eckhart
Religion und die „Post-Aufklärung“
Friedrich Schleiermacher und die Definition von „Religion“
Christentum vs. Institution „Kirche“
Fazit
Nachwort
Literatur-Tipps
Zum Autor


Leseprobe
Dass es diesen Moment des Bewusstseins gibt, zu dem wir uns zurückziehen können, und dass dies der einzige Punkt ist, an dem uns verlässlich Wahrheit und die Wahrhaftigkeit des Seins offenbart ist, das erkannte auch der französische Geisteswissenschaftler René Descartes: In einem intuitiven Impuls entstand sein berühmter Satz: „Ich denke, also bin ich“. Er hatte die Intuition: Allein, mein Sein kann ich wissen. Allein, mein eigenes Bewusstsein gibt verlässlichen Aufschluss darüber, dass ich existiere. Nichts, was darüber hinausgeht, kann ich mit Gewissheit als Wahrheit erkennen.
Eine solche Art des 'Erleuchtungsmoments' besteht darin, sich vollständig auf sein eigenes reines Bewusstsein als erste und einzige wahrhaftige Quelle der Wahrheits-Intuition zurückzuziehen. Der Buddhismus ist diesbezüglich jedoch noch konsequenter: er geht einen Schritt weiter als Descartes und wird noch deutlicher, indem er sagt „Erst wenn auch das Denken zum Stillstand gekommen ist, verweilst du im wahrhaftigen Sein des reinen Bewusstseins.“
Doch in der Geschichte der dokumentierten frühneuzeitlichen Philosophie ging Descartes gedanklich so nah an das reine Sein des eigenen Selbst, wie vor ihm keiner.
Was aber noch spannender ist, ist zu erkennen, wie sehr er wiederum ins Schlingern geriet, sobald er versuchte, diesen intuitiven Impuls, der ihn ganz nah an das wahrhaftige Sein und damit sein reines Selbst brachte, nun mit seinem Verstand zu ergreifen. Er versuchte, seine soeben erlebte Einsicht nun logisch einzuordnen, festzuhalten und in die begrenzte Begrifflichkeit der Worte zu pressen. Damit musste er wiederum diese hohe Instanz der Nähe zum reinen Bewusstsein verlassen, um auf die Ebene des analytischen Verstandes – und damit des bewertenden und einordnenden „Ich“ – zurückzukehren. Bei dem Versuch, analytisch das nicht in Begriffe Fassbare zu greifen, verlor er sich schließlich im Wirrwarr eines bizarren Dualismus: Ihm selbst wurde bald klar, dass eine dualistische Gegenüberstellung von Geist und Körper – und deren Interaktion – logisch nicht konsistent aufrechtzuerhalten ist: Wenn ich nur die Wahrheit meines reinen Geistes tatsächlich wissen kann, wie leite ich daraus dann ein Wissen um dessen Interaktion mit der Materie ab? Wie sich aus dem „reinen Sein“ des Bewusstseins eine Schlussfolgerung über dessen Interaktion mit dem Körperlichen, ableiten lassen sollte, konnte Descartes nie befriedigend mit seinem Verstand ergreifen und beweisen.
Der rein intuitive Impuls eines Erlebens reinen Seins, den er zuvor erlebt hatte, ließ ihn jedoch sein Leben lang nicht mehr los. Als typisch analytischer Mathematiker und Naturwissenschaftler (und übrigens „Widder“-Geborener) wollte er nun aber auf Biegen und Brechen in die Form einer mit dem Verstand begreifbaren Struktur pressen, was er an intuitiver Erkenntnis gehabt hatte. Er wollte begreifbar machen, wie diese Einsicht mit seinem herkömmlichen raumzeitlichen Alltagsverständnis vereinbar sein könne. Doch die unbefriedigende Antwort ist: es ist nicht vereinbar! Das Ich kann das Selbst nicht ergreifen. Die raumzeitliche Form, in der das Wesen des Verstandes besteht, kann das ewige Geistige nicht fassen. Das analytische Denken, das auf Identifikationszuschreibungen, Erfahrungswerte, Begrifflichkeiten und die Gesetze von Raum und Zeit angewiesen ist, kann nicht auf die Sphäre, die sich all diesen Formen entzieht, zugreifen.
Descartes war einen Schritt früher in seiner „Rückführung“ zu seinem wahren Selbst stehengeblieben, als tatsächlich in das Erleben des reinen Bewusstseins vorzudringen, wie es die Religion verfolgt. Deswegen blieb sie für ihn unbefriedigend und unvollständig.
Mit „Ich denke also bin ich“ erkannte Descartes, dass nichts von dem, was wir uns verstandesmäßig an Strukturen herleiten, auf einer unbezweifelbaren Wahrheit beruht, sondern dass allein das reine Bewusstsein uns die Wahrhaftigkeit des Seins offenlegt. Er hatte damit den Unterschied zwischen der Wahrhaftigkeit des ewigen „Sein“ und der Illusion der Raumzeitlichkeit der Körperlichkeit und Materie eingesehen. Doch nun versuchte er, mit der eingesehenen einzigartigen Wahrhaftigkeit des Seins wiederum die ihr entgegengestellte raumzeitliche Illusion als Wahrhaftigkeit zu beweisen. Damit musste er scheitern. Seine Gewohnheit, in den Strukturen des Verstandes zu verharren, war zu stark, um sie aufgeben zu können und sich in der Erkenntnis des reinen Seins zu wiegen, wie es das Ziel der Religion ist.
Am Beispiel Descartes zeigt sich, dass dieser höchste erlebbare Bewusstseinszustand von reinem Sein des Selbst-Erlebens sich der Limitierung dessen entzieht, was wir in Worte kleiden können. Es zeigt, wie wenig der Verstand greifen und einordnen kann, was wiederum die intuitive Vernunft klar und deutlich als erste und einzige Wahrheit erfassen kann:
Dieses ist jene höchste Stufe einsehbarer Wahrheit, die bspw. der Stoizismus damit erlangen will, dass er anstrebt, jegliche leidenschaftliche Bewertung von Erlebnissen abzulegen und jedes Erleben – auch schmerzhaftes – als notwendigen Teil des Seins anzuerkennen. Das ist wiederum das Ansinnen des Zen-Buddhismus, wenn er in seinen Meditationen das reine gedankenlose Wesen des Bewusstseins anstrebt. Das ist es, was im Christentum symbolisiert wird, wenn die Leidenschaften des Körpers, der ewige Wille des Egos, das ständige Urteilen des Gedankenkarussells, und damit: das Ich der bürgerlichen, weltlichen, irdischen Person – symbolisiert durch Jesus von Nazareth –, ans Kreuz geschlagen wird, damit das wahrhaftige, ewige, reine Selbst als 'Christus' daraus hervorgeht und zurückkehrt zum „Vater“, zurück in das AllEins, aus dem er einst hervorging.

Das Ich ist die Identifikation mit Vergänglichem, bis es uns durch den Tod ohnehin entrissen wird.
Das Ich besteht in permanentem Willenstrieb (Erlangen und Festhalten oder Abstoßen), der von der Erinnerung genährt wird – denn diese erschafft unsere Vorstellungen und Identifikationen.

Wenn wiederum das Selbst in einem Bewusstsein besteht, das auf das reine Sein gerichtet ist, so ist es gleichermaßen auf das reine Jetzt gerichtet: es kennt damit weder Ängste noch Gier, weder Hass noch Reue.
Das reine Bewusstsein des Selbst allein weiß, was wahrhaftige Freiheit bedeutet. Es bettet uns in ein friedvolles Erleben von Liebe. Liebe muss dabei im ursprünglichen Sinne des Begriffes verstanden werden: Als harmonischer Einklang mit dem, was ist, wie es ist, solang es ist – denn „Liebe will nicht. Liebe ist“.
Dieses friedvolle Momentum des rundum Vollkommenen finden wir nur in der Einkehr und Rückkehr in unser eigenes Innerstes, dem einzigen „Ort“ von Beständigkeit und Vollkommenheit.