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Leseprobe für das Buch Ostern
neu erzählt, gehofft und gebetet
von Klaus-Peter Lüdke, Luedke:

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Josef von Arimathäa
Tau der Lichter
Bettete ich mich bei den Toten, so bist du auch da
Der Lieblingsjünger
Auferstehungshoffnung im Johannesevangelium
Du machst mich wieder lebendig
Maria Magdalena
Warum der Gärtner nicht zufällig ein Gärtner ist
Du machst neu das Antlitz der Erde
Simon Petrus
Leibliche Auferstehung und das leere Grab
Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind
Maria
Mutter Erde
In seiner Hand sind die Tiefen der Erde
Thomas
Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben
Wandeln im Lande der Lebendigen
Johanna und Susanna
Auferstehung der Frauen
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten
Lazarus
Totenauferweckungen
Sterbesegen
Salome
Hinabgestiegen in das Reich des Todes
Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu Dir
Der Soldat
Wie ein Dieb in der Nacht
Wir sind frei
Noas Lamm
Auferstehung der Tiere
Das Wild des Feldes preist Dich
Rahel und Kleopas
Auferstehungshoffnung im Ersten Testament
Du hast meine Seele aus dem Reich des Todes geführt
Nathanael und das Zeichen des Jona
Jesus und die Auferstehung aller Geschlechter
Du hast mich aus der Grabestiefe herausgeführt
Was bleibt
Hinweise und Literaturverzeichnis

Josef von Arimathäa
Johannes 19,38-42; Lukas 4,16-30; Jesaja 61,1-3.
Als Händler bin ich oft auf Reisen. Ich stamme aus Ramathajim. Mein Lager aber habe ich in Jeruschalajim eingerichtet; ihr sagt auch Jerusalem zu ihr. Sie ist nicht nur ein vorzüglicher Handelsort, sondern mehr und mehr meine Stadt geworden. Mit ihrem Tempel ist sie das Zentrum unseres Glaubens. Hier erwarteten wir den Messias, den Christus, wie ihr sagt, den Gesalbten G*ttes. Viele erhofften sich mit seinem Erscheinen die Befreiung von den Römern. Ich finde, das greift zu kurz. Die von Jesaja überlieferten Worte sprechen für mich auch von einer inneren Befreiung: für die Niedergeschlagenen, für die Menschen zerbrochenen Herzens, für die innerlich Gefangenen und Gebundenen, für die Trauernden. Und bedeutet das nicht auch für die Verstorbenen Hoffnung? Sogar G*ttes geplagte Schöpfung würde wieder heil werden.
Die alten Verheißungen über den Messias sprechen davon, er werde Freudenöl statt Trauer bringen. Weil die Tage meines Lebens bald erfüllt werden, berührten mich diese Worte sehr. Ich überlegte darum, mich nicht bei meinen Müttern und Vätern in meiner Heimat bestatten zu lassen, sondern mein Grab dort zu errichten, wo ich dem Messias zu begegnen hoffte. Sollte er seine Verheißung wahr machen, hieß das für mich: in Jerusalem. Also ließ ich mir dort ein Grab in den Kalkfelsen hauen, eine Platte bereiten, mit der sie es verschließen würden, wenn sie mich hineingelegt hätten. Vor dem Eingang ließ ich einen großzügigen Garten anlegen. Ich wollte selbst als ein Baum der Gerechtigkeit in Erinnerung bleiben, als Pflanzung des TREUen. Solch ein fast schon königliches Grab war nur wenigen vorbehalten. War ich in Jerusalem, spazierte ich fast jeden Abend hinaus in meinen Garten. Ich lief zur kleinen, von mir persönlich eingefassten Quelle; sie komplettierte mein kleines Paradies. Mit dem aus der Grabhöhle herausgeschlagenen, fast weißen Split hatte ich einen Pfad durch meine Pflanzung anlegen lassen. So fand ich auch gut zurück, wenn ich mich mal vergessen hatte. Denn wenn es heiß war und niemand in der Nähe, legte ich mich ab und zu zur Probe auf die flache kühle Fläche, auf die sie mich einst legen würden. Und das eine oder andere Mal war ich dabei versehentlich eingeschlafen. Ohne den selbst nachts beinahe schon hell aufleuchtenden Pfad hätte ich es nicht wieder durch den engen Nachteingang in die Stadt geschafft. So hatte ich alles für meinen Tod vorbereitet und keine Angst mehr vor ihm, höchstens, dass ich auf meinen Reisen sterben würde, fern von Jerusalem, und man mich womöglich in der Fremde wie einen armen Bettler verscharren würde.
Inzwischen war ich mal wieder im Norden unterwegs. Weil der Sabbat anbrach, erbat ich Herberge in Nazareth in der Nähe der Synagoge. Anders als sonst vor dem G*ttesdienst war es unruhig im Städtchen. Die Stimmen flauten nicht ab. Ein in Nazareth aufgewachsener, angesehener Rabbi würde der Sabbatfeier beiwohnen. Sein Vater hatte Josef geheißen und war ein angesehener Handwerker gewesen. Ich hätte mit meinem Namen und Alter der Vater des jungen Jesus sein können und hoffte auf dessen junge, frische Auslegung der Heiligen Schrift. Obwohl es sehr voll werden würde, wurde mir als Gast ein Ehrenplatz zu den wohlgeformten Füßen des Wander-Rabbiners zugewiesen. Ich studierte auch dessen anpackende Hände, sah in ein von der Sonne verwöhntes Gesicht, dem man das eifrige Lesen der Tora, der Schriften und Propheten nicht ansehen konnte. Seine dunklen Augen funkelten freundlich im Schein der Flämmchen, die der abendlichen Stimmung Feierlichkeit verliehen. Der gebürtige Bethlehemer wirkte ganz im Hier und Jetzt präsent, nicht gedankenverhangen um Worte seiner Auslegung ringend, sondern er sah zugewandt um sich. Als sich unsere Blicke trafen, lächelte er mich an, als seien wir bereits alte Bekannte. Nach unseren Gebeten und Liedern reichten sie ihm die Schriftrolle Jesajas und er las in die aufmerksame Stille hinein:
Der Geist G*ttes des TREUen ist auf mir, weil der TREUe mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Armen gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, den Gefangenen die Freiheit zu verkünden, den Blinden, dass sie sehen sollen, den Zerschlagenen die Freiheit und zu verkündigen das Erlassjahr, das gnädige Jahr des TREUen.
Das waren die Worte, auf die ich meine Hoffnung setzte. Wir alle sehnten uns den Messias herbei. Wie würde Jesus sie auslegen? Alle Blicke folgten seinen Händen, mit denen er die ehrwürdige Schriftrolle Jesajas dem Liturgen reichte, um erwartungsvoll wieder zurück auf seine Lippen und Augen zu springen. Er schien noch den TREUen um Erlaubnis für das zu bitten, was er gleich sagen würde. Dann richtet er seine Augen auf uns und spricht die bisher noch nie gesagten Worte der Gnade aus: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“ Meint er sich selbst? Er blickte mich wieder freundlich an. Um die Stille der Zuhörenden war es nun aber geschehen. „Das ist doch Josefs Sohn, was bildet der sich ein?“ Bald tobte die Synagoge. Sie baten Jesus nicht nach draußen, sie stießen ihn laut tosend hinaus. Ich aber blieb ruhig sitzen, bis sich die Synagoge geleert hatte. Denn Jesus hatte ausgesprochen, was mich in meinem Herzen tief anrührte: Er ist der Messias, der Christus, der Gesalbte G*ttes. Weil mir die heftige Reaktion in der Synagoge Angst machte, behielt ich meine gerade erst entfachte Zuversicht über ihn für mich. Ich redete mit keinem darüber, auch nicht, als ich Nazareth verlassen hatte. Nur meinem Freund Nikodemus vertraute ich mich an. Er war ebenfalls von Jesus tief berührt worden, als er bei einer anderen Gelegenheit mit ihm in aller Ruhe gesprochen hatte.
Ich versuchte daraufhin, so viel wie möglich über Jesus in Erfahrung zu bringen. Alles deutete für mich darauf hin, dass er der Messias der Herzen und der Herzensveränderung ist. Er griff in wundersamer Weise in viele Menschenleben ein. Er stellte G*ttes Liebe über alles menschliche Urteilen und Richten. Die Anwesenheit des TREUen in ihm konnte er nie ganz verheimlichen, obwohl alle, die ihn umgaben, ihn in seiner menschlichen Leiblichkeit erlebten. Er teilte sein Leben mit ihnen, aß und trank in der Gemeinschaft seiner Jünger*innen, um die Liebe G*ttes leibhaftig werden zu lassen.
Wenn ich von einem seiner Wunder gehört hatte, reiste ich dorthin, um unter dem Vorwand des Handels mehr über ihn zu erfahren. Ich mochte das, was er tat. Ich wollte ihm näherkommen. Der Frühlingsvollmond kündigte das Passafest an. Die ersten lauen Frühlingsabende ließen meinen Grabesgarten in allen Farben und Formen erblühen. Die Komposition an Düften lockte allerlei Schmetterlinge und Falter an. Ich war gerade von einer Handelsreise am Mittelmeer zurückgekommen, als ich hörte, Jesus sei in Jerusalem. Nach dem Passafest und Sabbat wollte ich Jesus aufsuchen und mich ihm endlich persönlich vorstellen. Ich hatte genug über ihn gehört, um mich ihm als meinem Messias anzuvertrauen.
Am Mittag vor dem Sederabend suchte ich mein Grab auf. Ich war dazu die untere Runde gelaufen. Vor dem Garten erblickte ich aus der Ferne drei Kreuze. Mehrere Dutzend Menschen standen um das blutige Spektakel herum. Die Römer richteten wohl drei Verbrecher hin. Ich wollte keine schaurigen Details der grausamen Kreuzigungen mitbekommen und betrat meinen Paradiesgarten. Seine Schönheit lenkte mich von dem Gesehenen ab. Ich durchschritt ihn bis in mein Grab hinein. Mit dem mitgebrachten Feuer zündete ich die Öllampe an, die an der kurzen Seiteninnenwand hing. Kaum zu glauben, welche Wärme das kleine Flämmchen ausstrahlte. Ich legte ein kleines Stückchen mitgebrachten Weihrauchs an den brennenden Docht, um die Stechmücken zu vertreiben. Dann legte ich mich an meinen Platz. In meinem Grab war es still. Mit meinen Fingern und nackten Zehen spürte ich die feinen Riffellinien, die der Steinmetz auf der behauenen Bahre eingearbeitet hatte. Ich fühlte die kleinen Unebenheiten, wenn ein kleiner Einschluss im Stein die Struktur unterbrach. Und zum ersten Mal dachte ich: Wenn Jesus in Jerusalem ist, brauche ich mein Grab nicht mehr, sollte er sich doch noch allen als Messias offenbaren.
Ich erwachte von dem Konzert der Nachtigallen und der Schleiereulen. Es war nahezu dunkel. Dabei war es meinem Gefühl nach erst die neunte Stunde. Ich vergaß, das Licht meines Öllämpchens zu löschen. Im Schutz der tiefen Dämmerung würde ich die Abkürzung über die Müllkippe nehmen, dort entlang, wo die drei Kreuze standen. Als ich vorbeikam, stach einer der Soldaten mit der Lanze in die Seite des Mittleren. Blut und Plasma hatten sich getrennt. Da lichtete sich der fast gänzlich in Finsternis gehüllte Himmel. Als ich zum Gekreuzigten emporblickte, wurde ich gewahr, wen sie gerade umgebracht hatten. Es war mein Messias Jesus.
In einem Augenblick verlor ich allen Glauben, alle Hoffnung, aber nicht meine Liebe oder meinen Verstand. Als Händler hatte ich schon oft davon profitiert, in unübersichtlichen Situationen schnell zuzugreifen. Die Römer sollten meinen Jesus nicht über das Passafest hinweg am Kreuz hängen lassen. Er war schon tot. Da erblickte ich zwei mir bekannte Gesichter: Nikodemus, meinen Freund, und Pontius Pilatus, Römischer Statthalter in Jerusalem. Zuerst bat ich Pilatus um den Leichnam. Mit Römern machte man keine Geschäfte, aber wenn sie zu einem kamen, konnte man sie nicht ohne Gefahr für Leib und Leben einfach abwimmeln. So kannten wir uns und Pilatus wollte dieses Ärgernis schnell aus den Augen bekommen. Wir wurden uns rasch einig. Nachdem Jesus vom Kreuz gelöst worden war, was ich heute nicht näher schildern möchte, trugen Nikodemus und ich unsere erstorbene Hoffnung bis zu meiner Quelle. Während ich Jesus zu waschen begann, wie es bei unseren Toten Brauch ist, lief Nikodemus schnell zurück zum Markt und hatte, ehe die letzten Stände und Läden schlossen, noch einen unbezahlbar großen Sack voll Myrrhe, eine Amphore Aloenöls und frische Leinenbinden erworben. Dazu hatte er eine Schaufel organisiert. Es hatte ihm sichtlich Mühe bereitet, alles herzutragen, ohne die Amphore fallen zu lassen. Schweißperlen lösten sich von seiner Stirn und rannen in seine Augen. Die untergehende Sonne hüllte aber auch dies in ein barmherziges Licht. Bald würde der erste Stern am Himmel stehen. Der Sederabend, das Passafest – solange konnten wir nicht warten. Am Rande des Gartens standen ein paar Frauen, die wohl zu Jesus gehörten. Sie kannten mich noch nicht als Jesus-Freund. „Wo begraben wir ihn?“, fragte Nikodemus, bereit, mit der Schaufel in den steinigen Gartenboden ein Loch zu hauen. Ich überlegte kurz, dabei schossen auch mir die ersten Tränen ins Gesicht. „Wir legen ihn in mein Grab. Wenn sie den Messias umgebracht haben, brauche ich auch nicht mehr auf ihn zu warten, wenn ich gestorben bin.“ Nikodemus wusste, dass mich das Grab ein Vermögen gekostet hatte. Aber er nickte nur stumm und legte die Schaufel zur Seite.
Wir nahmen die Aloe und salbten unseren Christus von Kopf bis Fuß. Der Geruch vom Angstschweiß war beim Waschen nicht ganz verflogen. Doch nun vermengte sich der milde Duft der Aloe mit dem der Blüten in meinem Garten und gewann Oberhand, während wir zwei alten Männer mit unseren gebrochenen Stimmen den Psalm Davids anstimmten: „Adonai Roi, der TREUe ist mein Hirte … Du salbest mein Haupt mit Öl.“ Ich nahm die Leinenbinden und begann, Jesus an seinen durchlöcherten Füßen einzuwickeln, während Nikodemus großzügig die bittere Myrrhe über seine Wunden streute. Was hatten sie ihm nur angetan? Ein letzter Blick auf sein gesalbtes Haupt. „Freudenöl statt Trauer.“ Ich erinnerte mich an die Worte, die er aus Jesaja gelesen hatte. „Du bist mein König“, sagte Nikodemus und küsste unserem Jesus die Stirn. Ich legte Jesus ein feineres Tuch über sein Gesicht, strich über seine Augen, berührte mit meiner Stirn die seine, ehe Nikodemus auch über die abgedeckten Wunden der Dornenkrone die restliche Myrrhe verteilte. Schließlich hob er den Kopf mit beiden Händen, um den ich vorsichtig die Leinenbinde wickelte, als gäbe es noch Heilung für diese Wunden.
Die Sonne war hinter dem Horizont verschwunden. Das Licht unseres Lebens schien zu verlöschen. Mit letzter Kraft trugen wir Jesus in mein Grab, hoben ihn auf den Kalkstein. Wir sprachen das Totengebet, löschten das flackernde Licht. Die Platte in die dafür vorgesehene Rinne zu schieben, kostete uns die letzte Kraft. Dabei zerbrach der Stil der Schaufel, die nun doch noch Verwendung gefunden hatte. Bei diesem hässlichen Knacks spürten wir, wie unsere Herzen brachen. Wir nahmen uns erst still in die Arme, begannen dann bitterlich zu weinen. Meine Tränen schmeckten nach Salz, Öl und Myrrhe. Wie konnten wir ihn nur so geliebt haben. „Nicht, dass ich dir was Böses will, mein Freund“, hob Nikodemus an und löste sich aus unserer Umarmung, „aber du müsstest dort liegen“, er blickte auf mein nun verschlossenes Grab, „nicht er.“ – „Ich weiß.“ Mit diesen Worten löste ich mich von meinem Freund. Dann huschten wir still durch die Dämmerung zum traurigsten Sederabend unseres Lebens. Hinter uns klagte ein Käuzchen, während die Nachtigall bereits das Lied des Lebens anstimmt.

Tau der Lichter
Es gibt kaum ein schöneres Erleben in der Osterzeit als eine von Tau überzogene Wiese in der aufgehenden Morgensonne. Überall funkelt und glitzert es. Wenn du dich bewegst, gerät auch der Tau der Lichter in Bewegung. Keine Kamera kann diese Schönheit und Pracht einfangen. Selbst dein dunkler Schatten wird im Tau der Lichter von einem noch helleren Lichterschein umstrahlt, weil sich das Sonnenlicht in den Tautropfen in allen Farben bricht.
Das ist ein schönes Bild für die Nähe G*ttes, wenn du trauerst oder andere Zeiten unzähliger Tränen durchleidest. Da mag es noch so dunkel in dir sein. G*ttes Liebe, Fürsorge und Nähe verwandeln deinen Schatten in einen Träger funkelnder Schönheit. Es ist nicht der Tau selbst, der funkelnd aufblitzt. Seine herrliche Strahlkraft hat er allein von der aufgehenden Sonne. Steht die Sonne höher, bricht sich ihr Licht für uns nicht mehr sichtbar in Richtung Himmel, und die Diamant-Tröpfchen trocknen allmählich ab.
Jesaja weiß um den Tod. Er ist ein furchtbarer Einschnitt im Leben der Zurückgebliebenen. Für ihn sind es im Bild unzählige Tränen, die den Wiesengrund benetzen. Und dann geht doch die Sonne auf. Der Tau der Tränen verwandelt sich in einen Tau der Lichter:
Deine Toten werden leben, Deine Leichname werden auferstehen. Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde! Denn ein Tau der Lichter ist Dein Tau, und die Erde wird die Schatten herausgeben.
Jesaja 26,19
Für Jesaja ist es G*ttes Kommen, das den Tau der Tränen in einen funkelnden Tau der Lichter verwandelt. Nicht die Tränen an sich strahlen, sondern das Licht der aufgehenden Strahlen G*ttes bricht sich in den vergossenen Tränen voller Trost in aller Pracht und HERRlichkeit. Denn wenn G*tt kommt, so Jesaja, dann wird die Erde die Toten herausgeben. Dann wird der Tau der Tränen in einen prachtvoll aufleuchtenden Tau der Freudentränen verwandelt. G*ttes Kommen bringt Licht und neues Leben mit sich. Erfüllt hat sich diese alte Prophezeiung am Ostermorgen, als Jesus als Erster von den Toten auferstand und uns die Hoffnung schenkte, dass auch wir mit ihm auferstehen werden.
Ohne den Auferstandenen bleibt unsere Trauer ein Weg im finsteren Tal. Mit ihm aber geschieht Neues: Der Schöpfer selbst wird unseren verfallenden und verfallenen Leibern wieder eine schöne Gestalt geben. Er wird uns heilen und das Leben einhauchen. Und wenn wir ihm dann leibhaftig und von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen werden, wird sein in unserem Leben aufgehendes Licht auch unsere Leiber, unsere Herzen, unsere Sinne und unseren Verstand in ein prachtvolles Funkeln und Strahlen verwandeln, weil sich dann seine gütige Liebe in unseren Tränen bricht. Jesaja sagt das auch angesichts seiner schrecklichen Erfahrungen von sterbenden Menschen, sogar eines sterbenden Volkes. Doch er sagt es im Lichte des kommenden G*ttes. Seit Ostern hören wir die Verheißung des Propheten im Lichte des Auferstanden Jesus Christus. Sein Licht bricht sich nun auch in unseren Tränen und verwandelt unsere Traurigkeit in Funkeltrost.
Bettete ich mich bei den Toten, so bist du auch da
Psalm 139,8

Es tröstet mich, lebendiger G*tt,
dass Du selbst die größte Leere
mit Deiner Barmherzigkeit füllst
und die finstere Nacht des Grauens
mit Deinem Licht erleuchtest.

Du tröstest mich, Jesus Christus,
weil Deine Auferstehung niemanden vergisst,
bis auf den Tod, der in Vergessenheit gerät.
Du wurdest mit mir eins in meinem Tod,
und ich werde eins mit Dir in Deiner Auferstehung.

Du tröstest mich, Heiliger Geist,
freudiger Atem des Lebens,
denn der Odem, der von Dir ausgeht,
geht nicht für immer verloren,
sondern kehrt zurück in erneuertem Leib.

Heilige Geistkraft im Kind des lebendigen G*ttes,
Du belebst die erstorbene Schöpfung,
Du gibst niemanden auf,
Du machst alles neu,
auch mich – schon jetzt.

Auch wenn ich das Leben
noch nicht erkennen kann,
das ich dank Dir schon glaube,
beim Brechen des Brotes weiterreiche,
für das ich trotzig einstehe,
so bist Du schon da.