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Leseprobe für das Buch Steinmale, die trösten; Band 6
Steine Nr. 551 – 634, 636, 640, 643, 647, 649, 659 auf dem israelitischen Friedhof in Dessau
von Max-Friedrich Hahn:

Hier auf dem israelitischen Friedhof in Dessau, an der Straße Am Leipziger Tor, bietet sich eine Welt sichtbar entdeckter Grabmale. Aber nur wenige wissen, was darauf steht und an wen sie erinnern sollen. Wer macht sich schon die Mühe, die hebräische Schrift und Sprache zu erlernen und danach die Inschriften zu entziffern? Und wer steht bereit, die Inschriften zu erklären?
Steinmale, die trösten – hagalim l‘nachama –, reden auch heute noch zu uns. Sie sollten die Hinterbliebenen trösten, ebenso uns. Sie weisen auf die „andere Welt“ und sind ein Glaubenszeugnis für den Betrachter. Auch die Steinfragmente reden und die ohne (erkennbare) Schrift reden auch, wie es im Lateinischen heißt „qui tacent clamant“, „indem die schweigen, schreien sie“, nämlich über das Unrecht, das diesem Friedhof angetan wurde.