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Leseprobe für das Buch Ich will Dich im preußischen Dienst pausieren lehren!
Anekdoten vom Alten Dessauer
von Christopher Schulze:

Vorbemerkung

Kaum eine andere Persönlichkeit des preußischen Militärstaates war bereits während ihrer Lebenszeit derart umstritten wie Leopold I. von Anhalt-Dessau. Ein wackerer tatkräftiger Kriegsknecht, detailbeflissen und emsig, mit großem militärischen Sachverstand gesegnet, aber ungebildet, roh und grob sowie bar jeder adligen Höflichkeit. Von seinen Zeitgenossen entweder als brillanter Stratege bejubelt oder als Despot und 'wildes Tier' verflucht. Seine militärischen Erfolge im Spanischen Erbfolgekrieg und im Nordischen Krieg machten ihn zum bekanntesten Heerführer seiner Zeit.



Ein unleserlicher Befehl

Wie schon genannt, stand es mit der Schulweisheit Leopolds nicht zum Besten und dass er das Schwert besser zu führen verstand als die Feder, war eine längst ausgemachte Sache. Doch das machte nichts, denn für die Schreibereien sorgten die Herren Minister und Räte im Berliner Kabinett. Kam es nun dann und wann doch, dass er als Kommandierender seine Befehle schriftlich aufgeben musste, dann hatten die Untergebenen große Not, das seltsame Gewirr seiner Buchstaben zu entziffern. Während der Belagerung Stralsunds hatte er bei einem Ausfall der Stralsunder Besatzung mitten im ärgsten Kugelregen einen Befehl geschrieben, den der General, der ihn ausführen sollte, durchaus nicht lesen konnte. Doch die Zeit drängte, jeder Augenblick Verzug konnte ein unermesslicher Nachteil für das Heer sein und sein Adjutant musste damit zu dem Fürsten zurück. Wetternd und donnernd empfing ihn Leopold und alle harrten in banger Erwartung auf die Erklärung des Schreibens. Doch diese erfolgt nicht, da Leopold selbst seine Handschrift nicht lesen konnte. Voller Zorn zerriss er den Zettel: 'Aber Schwerenot', rief er zornig aus, 'ich habe es ja nicht geschrieben, dass ich es lesen soll, sondern Ihr!' und gab hierauf den Befehl mündlich.



Läuse

Einstmals traf Leopold vor dem Tore einen am Wege sitzenden Soldaten, der sich das Ungeziefer aus seiner Uniform pulte. 'Kerl, was machst Du da?', rief Leopold ihn an. 'Ich laufe!', antwortete jener barsch, und Leopold, indem er in die Tasche griff, versetzte zufrieden: 'Da tust Du wohl mein Sohn! Nimm da den Taler und kauf Dir ein neues Hemd!' Dies hatte ein zweiter Soldat mit angesehen, eilte verstohlen voraus und setzte sich eine Strecke weiter, wo Leopold sogleich vorbeikommen musste, in gleicher Beschäftigung am Wege hin. Aber dieser hatte die ganze Sache schon durchschaut: 'Was machst Du, Kerl?', fragte er auch diesen, und behend: 'Ich suche Läuse!', antwortet der, des Talers schon gewiss. 'So?', versetzte Leopold, 'nun, da geh nur', mit der Hand zurückzeigend, 'zu dem dort, der hat welche.'



Zwei Deserteure

Zwei Soldaten waren nach Sachsen ausgerissen, wurden auf dem fremden Gebiet eingeholt, zurückgebracht und durch Standrecht zum Galgen verurteilt. Der eine war alt und unansehnlich, mit dem gab es kein Mitleid. Der andere war ein junger schöner Kerl und Leopold wünschte diesen zu retten. Er tat den Ausspruch, nur einer von beiden solle sterben, das Los entscheiden. Trommel und Würfel wurden gebracht, doch entgegen der Meinung gewann der Alte. Leopold rief zornig: 'Kanaillen, das kann nicht gelten, werft noch mal!' Dreimal hintereinander gewann der Alte. Das war für Leopold zu viel. Den alten wollte er nicht begnadigen, den jüngeren allein dufte er nicht begnadigen. 'Schurke, nun kann ich Dir nicht mehr helfen!', rief er voll Verdruss und ließ beide sofort an einer Weide aufknüpfen.