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Leseprobe für das Buch Der Himmel der Kelten von Reinhard Gunst:

04 - Die Bestattungskultur der Hügelgräber

Eine der ersten systematischen Erforschungen der Hügelgräber, die im Gebiet zwischen der Schwäbischen Alb und dem Bodenseeraum liegen, erfolgte in den Jahren 1883 und 1884. Zusammen mit dem Senatspräsidenten des Oberlandesgerichtes in Stuttgart Julius v. Föhr erkundete der Vorstand der württembergischen Staatssammlung Professor Ludwig Mayer eine große Anzahl bis dahin bekannter Hügelgräber. Ihre Anzahl schätzten beide damals auf mehr als 3000. Doch die ersten Ergebnisse ihrer Forschungen dämpften die Hoffnung auf große, spektakuläre Funde. Mayer schrieb in seinem Buch 'Hügelgräber auf der Schwäbischen Alb', dass die starke Mehrzahl sämtlicher Grabhügel des Landes teils schon in älterer Zeit, teils auch erst in neuerer Zeit ausgeleert wurden. Dabei sieht er die Gründe in den Grabplünderungen während der Epoche der Karolinger wie in der Schatzgräberei späterer Jahrhunderte. Bei zahlreichen Hügelöffnungen musste er auch feststellen, dass die Grabbeigaben längst entfernt wurden, ohne dass von außen Spuren erkennbar waren. Die Bestandsaufnahme ergab, dass eine große Anzahl der zu Nekropolen zusammengefassten Hügelgräber im Raum der südlichen Alb und in dem Gebiet zwischen Aalen, Ellwangen, Bopfingen und Heidenheim lag. Doch viele dieser Anlagen liegen heute unter dichtem Waldbestand verborgen und sind nicht mehr auf Anhieb zu erkennen. In der zeitlichen Abfolge sind die weiter nördlich liegenden Anlagen jüngeren Datums als die südlicheren, die im Einzugsgebiet der Donau und ihrer Nebenflüsse liegen. Dass auf der Ostalb die Anzahl der Hügelgräberfelder so hoch ist, ist sicher auch die Folge der Bevölkerungsdichte während der Hallstattzeit, in der der Eisenerzbergbau intensiviert wurde. Zahlreiche Höhensiedlungen entstanden hier rund um die großen Bohnerzlagerstätten, deren Bodenschätze in diesem Gebiet oberirdisch abgebaut werden konnten.
Auf den ersten Blick scheinen die Hügelgräber in Anordnung und Orientierung keiner Gesetzmäßigkeit zu unterliegen, doch die bisherige Betrachtung zeigt ein durchdachtes Bildsystem, das ihrer Errichtung zugrunde lag. In seiner Schrift 'Bestattungsbrauch in der westlichen Hallstatt-Kultur' zeigt Siegfried Kurz, dass die Grabhügel in Tallagen genauso errichtet wurden wie an Hängen oder auf Bergkämmen. Dass die Anlagen dennoch nach geometrischen Gesichtspunkten erbaut wurden, entdeckte als erster Dr. Gottfried Odenwald, der seine Untersuchung im 8. Band der Geographischen Hefte veröffentlichte. Bei einer statistischen Auswertung von Grabhügeln zahlreicher Nekropolen entdeckte Dr. Odenwald zwei Abhängigkeiten. Zum einen sah er eine Verbindung der Nekropolen zu den meist in unmittelbarer Nähe gelegenen Viereckschanzen, und daraus folgend eine Präferenz in den Himmelsrichtungen. Während er eine geringe Anzahl von Hügelgräbern im Nord-Westen der Schanzen feststellen konnte, fand er die überwiegende Anzahl in süd-östlicher Richtung. Nur etwa halb so viele Hügelgräber fand er ungefähr gleich verteilt in nord-östlicher und süd-westlicher Richtung. Die Präferenz der Himmelsrichtung deckt sich mit den Auf- und Untergangsrichtungen der Sonne zum Zeitpunkt der Sonnenwenden. Diese waren aber nicht nur maßgebend für die Beziehung zur naheliegenden Schanze, sondern auch bestimmend für ihre großräumliche Einbindung in der Landschaft. In ihrer Dimension und Anzahl besitzen die entdeckten Hügelgräber höchst unterschiedliche Abmessungen. Grabanlagen wie der Magdalenenberg bei Villingen mit einem Durchmesser von 104 m und einer Höhe von 12 m oder der kleinere Fürstengrabhügel in Hochdorf mit einem Durchmesser von 60 m bilden bislang eher die Ausnahme.
Da seit den Erkundungen von Mayer und Föhr im ausgehenden 19. Jahrhundert die meisten Anlagen bekannt sind, sind Neuentdeckungen eher die Seltenheit. Größere Dimensionen einer Nekropole, wie der im Buch `Die Goldene Landschaft´ beschriebene Bärenberg bei Bartholomä mit einem Durchmesser von annähernd 750 m, wurden bislang nicht erschlossen, obwohl dort die Spuren von Raubgräbern sichtbar sind. Eine systematische Erkundung der geometrischen Beziehungen von Schanzen und Nekropolen würde sicher noch weitere Erkenntnisse zur Hallstattkultur auf der Ostalb erbringen. Die große Zahl der Grabhügel weist jedoch wesentlich bescheidenere Dimensionen als der Magdalenenberg bei Villingen auf. Da viele Gräber bei ihrer Entdeckung durch Erosion oder landwirtschaftliche Bearbeitung bereits zwei Drittel ihrer einstigen Höhe verloren hatten, kann die ursprüngliche Höhe des Hügels nur noch abgeschätzt werden. Ein Vergleich zeigt eine statische Häufung in den Abmessungen bei einem Durchmesser von 15 m und einer einstigen Höhe bis zu 7 m.